Usbekisch

Das Usbekische gehört zu den altaische Sprachen, eine Familie von etwa 40 Sprachen, die von circa 75 000 000 Menschen in einem ausgedehnten Gebiet Eurasiens gesprochen wird, das sich von der Türkei im Westen bis zum Ochotskischen Meer im Osten erstreckt. Sie besteht aus drei großen Unterfamilien oder -gruppen: Turksprachen, mongolischen und mandschu-tungusischen Sprachen.

Führend unter den Turksprachen ist Türkisch oder Osmanisch (Türkei, Balkan), das von etwa 45 Millionen Menschen in der Türkei und den umliegenden Gebieten gesprochen wird. Weitere Turksprachen sind u. a. Aserbaidshanisch (Aserbaidshan und nordwestlicher Iran), Kasachisch, Usbekisch, Turkmenisch und Kirgisisch (Zentralasien), Tatarisch (Türkei, Balkan, die ehemalige UdSSR und China), Uigurisch (Uigurische Autonome Region von Sinkiang, China) und Jakutisch (hauptsächlich nordöstliches Sibirien).

Zu den mongolischen Sprachen gehören Burjatisch (östliches Sibirien), Kalmückisch (hauptsächlich das Kalmückische Autonome Gebiet) und die größte Sprachgruppe, Mongolisch (Mongolische Republik und die Autonome Region der Inneren Mongolei von China).

Mandschurisch (Mandschurei und Sinkiang in China) hatte in der mandschu-tungusischen Gruppe die größte Anzahl von Sprechern und war früher etwa 200 Jahre lang eine Verkehrssprache (Lingua franca) zwischen China und der Außenwelt. Heute ist es fast vollständig ausgestorben. Weitere, zu dieser Gruppe gehörende Sprachen sind Ewenkisch (China und die ehemalige UdSSR), Lamutisch (in der Nähe des Ochotskischen Meeres) und Tungusisch (östliches Sibirien). Die ersten Aufzeichnungen in altaischen Sprachen stammen aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. Es gibt Hinweise darauf, dass eine breite Palette von Schriftsystemen benutzt wurde. Das erste stammt von den Turkvölkern.

Allgemeine Kennzeichen der altaischen Sprachen sind eine agglutinierende Form der Suffixbildung (Nachsilbenbildung) und die Vokalharmonie (das bedeutet, dass nur Vokale derselben Klangfarbe in einem Wort auftreten können). Die Vokale der Suffixe (Nachsilben) werden so verändert, dass sie mit der Klangfarbe des Wurzelvokals übereinstimmen. Den altaischen Sprachen fehlen das grammatische Geschlecht, Artikel und Präpositionen. Sie verfügen über eine große Vielfalt an Vokalen, aber eine nur dürftige Auswahl von Konsonanten. Einige Wissenschaftler ordnen die Gruppe der altaischen Sprachen den uralischen Sprachen zu und bilden so die größere uralaltaische Gruppe. In jüngerer Zeit setzt sich jedoch bei den Forschern zunehmend die Auffassung durch, dass die Belege nicht ausreichen, um die Bildung dieser Gruppe zu rechtfertigen.

Bestimmte Völker der altaischen Sprachfamilie haben in der Geschichte eine wichtige Rolle gespielt, z. B. die nomadischen Hunnen und Mongolen, die zwischen dem 4. und 13. Jahrhundert n. Chr. in Europa einfielen, und die Mandschuren der Qing-Dynastie, die China von 1644 bis 1912 regierten. Türkisch (Alttürkisch, auch Köktürkisch) wurde seit dem 8. Jahrhundert mit verschiedenen Schriftarten geschrieben; die mongolische Schrift war etwa im 12. Jahrhundert in Gebrauch.

Seit dem 1. Weltkrieg gab es deutliche Veränderungen bei den altaischen Sprachen, die sich hauptsächlich aus der Notwendigkeit zur Modernisierung ergaben, um sich politischen Veränderungen und der zunehmenden Alphabetisierung anzupassen. Diese Veränderungen waren vor allem in der Türkei bemerkenswert, wo sich auf der Basis einer bestehenden Nationalsprache eine im Wesentlichen neue Literatursprache entwickelt hat.