Dzongkha

Die Entwicklung der deutschen Sprache lässt sich in drei Perioden einteilen: Althochdeutsch (ausgehend von den ersten schriftlichen Überlieferungen im 8. Jahrhundert bis 1050), Mittelhochdeutsch (1050-1350), wiederum unterteilt in Frühmittelhochdeutsch (1050 bis um 1200), klassisches Mittelhochdeutsch (um 1200 bis um 1250) und Spätmittelhochdeutsch (1250-1350) sowie Neuhochdeutsch (Frühneuhochdeutsch ab 1350 bis 1650; Neuhochdeutsch ab 1650) unter dem Einfluss Luthers und der Reformation. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts war Lateinisch die Amtssprache des Heiligen Römischen Reiches, zum dem die meisten deutschsprachigen Gebiete des heutigen Europa gehörten. Während der Regierungszeit von Ludwig IV., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches 1314 bis 1347, wurde Deutsch als Sprache für amtliche Gerichtsurkunden zugelassen. Zwischen 1480 und 1500 wurde es als Kanzleisprache in einer Reihe von Magistraten und Gerichtshöfen Sachsens und Meißens eingeführt und auch von den Universitäten von Leipzig und Wittenberg übernommen. Um 1500 war die deutsche Sprache allgemein als Amtssprache aller Landesteile von Sachsen und Thüringen anerkannt und zur Schriftsprache der gebildeten Schichten geworden. Außerdem nahm die Zahl der in deutscher Sprache gedruckten Bücher in den ostdeutschen Städten Wittenberg, Erfurt und Leipzig und auch in westlichen und südwestlichen Städten wie Mainz, Straßburg, Basel, Nürnberg und Augsburg zu. Diese Entwicklungen trugen dazu bei, dass die regionalen Sprachunterschiede ausgeglichen und ein Standard für eine gemeinsame Schriftsprache geschaffen wurde.

Ein Schriftstandard des Deutschen entstand im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts in Ostdeutschland in der Gegend von Erfurt, Meißen, Dresden und Leipzig. Dort sprachen die Einwohner, die ursprünglich aus westlicheren und südwestlicheren Gegenden kamen, einen Dialekt, der auf den mittel- und oberdeutschen Dialekten des Hochdeutschen basierte. Hauptsächlich durch Martin Luthers Übersetzung der Bibel ins Deutsche und seine in deutscher Sprache geschriebenen Flugschriften, Kirchenlieder und Katechismen verbreitete sich der hochdeutsche Sprachstand von Ostdeutschland aus über ganz Deutschland. Dadurch wurde der Begriff Hochdeutsch einerseits zum Sammelbegriff für alle deutschen Dialekte mit Ausnahme derer des niederdeutschen Sprachzweiges und andererseits zur Bezeichnung für die standardisierte deutsche Schriftsprache. 1600 war diese Schriftsprache bereits fest etabliert, obwohl ihre heutige Erscheinungsform erst seit etwa der Mitte des 18. Jahrhunderts erkennbar wird. Dem deutschen Philosophen und Gelehrten Christian Thomasius kommt das Verdienst zu, im Jahr 1687 als Erster Vorlesungen in deutscher Sprache gehalten zu haben. Damit gab er neben anderen den Anstoß dazu, dass die Vormachtstellung des Lateinischen als Sprache der Wissenschaft allmählich gebrochen wurde. Der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz, der seine Werke noch überwiegend in Französisch und Lateinisch verfasste, veröffentlichte 1683 seine Schrift Ermahnung an die Teutsche, ihren Verstand und ihre Sprache besser zu üben. Vorbildlich und maßgebend war auch Johann Christoph Gottscheds Werk Grundlegung der deutschen Sprachkunst, nach den Mustern der besten Schriftsteller des vorigen und jetzigen Jahrhunderts abgefasset (1748). Besondere Bedeutung erlangten die Werke Johann Christoph Adelungs, der 1781 seine Deutsche Sprachlehre veröffentlichte. Zwischen 1774 und 1786 erschien in fünf Bänden sein Versuch eines vollständigen grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen, das wichtigste deutsche Wörterbuch der Goethezeit.

Zur Erforschung und Systematisierung der deutschen Sprache trugen entscheidend die Arbeiten der Gebrüder Grimm bei. Die Deutsche Grammatik (1819-1837) von Jacob Grimm markiert den Beginn der deutschen Philologie. Das Deutsche Wörterbuch (1854-1971, Neubearbeitung seit 1965) der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm ist die erste Sammlung des neuhochdeutschen Wortschatzes. Bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es in Deutschland und anderen deutschsprachigen europäischen Staaten keine gemeinsamen Rechtschreibregeln. 1901 wurde durch die Orthographische Konferenz mit Teilnehmern aus Nord- und Süddeutschland, Österreich und der Schweiz ein einheitliches System der Rechtschreibung (Orthographie) festgelegt, das später überall eingeführt wurde. Dieses System geht in weiten Teilen auf die Arbeiten des Philologen Konrad Duden zurück, der 1880 erstmals ein Vollständiges orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache herausgegeben hatte. Sein Wörterbuch ist seither in vielen Auflagen erschienen und allgemein als Duden bekannt. Diese sprachpflegerischen Maßnahmen wurden 1996 mit dem endgültigen Beschluss einer neuen Rechtschreibreform fortgesetzt. Für das In-Kraft-Treten der neuen Regeln wurde der 1. August 1998 festgelegt.

Es gibt keinen allgemein verbindlichen Standard für die deutsche Aussprache. Als Ergebnis der Arbeit einer Kommission, die 1898 aus Universitätsprofessoren und Vertretern des deutschen Theaters zusammengesetzt wurde, ergaben sich jedoch einige allgemein anerkannte Grundregeln der Aussprache. Diese Regeln wurden in der Deutschen Bühnenaussprache in der ersten Ausgabe von 1898 und noch einmal in der Auflage von 1957 unter dem Titel Deutsche Hochsprache festgelegt. Im 19. und 20. Jahrhundert fanden weit reichende Veränderungen insbesondere im Wortschatz der deutschen Sprache statt. Bedingt durch die Entwicklungen in Wissenschaft und Technik fanden Fachtermini Eingang in den Wortschatz, Soziolekte und Sondersprachen (z. B. Jugendsprache) bildeten sich heraus, deren Vokabular teilweise in die Hochsprache aufgenommen wurde. Für die deutsche Gegenwartssprache sind insbesondere Anglizismen kennzeichnend. Auffallend ist auch die zunehmende Verwendung des Nominalstiles (Vorherrschen von Substantiven). Mit der Erforschung der deutschen Sprache beschäftigen sich vor allem das Institut für deutsche Sprache in Mannheim und die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden.

Im Ausland vermittelt das Goethe-Institut mit seinen zahlreichen Instituten in aller Welt deutsche Kultur und bietet Sprachkurse an. Weltweit sprechen rund 100 Millionen Menschen Deutsch, davon leben etwa 80 Millionen in Deutschland. Daneben wird die deutsche Sprache von über sieben Millionen Menschen in Österreich, ungefähr 4 100 000 im Norden der Schweiz, 1 500 000 in Elsass-Lothringen, 300 000 in Luxemburg, 280 000 in Südtirol, 65 000 in Belgien und von einigen Millionen Menschen in Osteuropa und Russland gesprochen. Damit ist es in etwa die sechstgrößte Sprachgruppe der Welt. Außerhalb Europas lebt die größte Zahl der Menschen, die Deutsch als Muttersprache benutzen, in den Vereinigten Staaten. Eine wichtige Gruppe sind dort die so genannten Pennsylvania-Deutschen. Sie hatten ihre Heimat in der Rheinpfalz am Ende des 17. und im 18. Jahrhundert verlassen und sich im Südosten von Pennsylvania angesiedelt. Sie sprechen den rheinfränkischen Dialekt mit nur geringen Beimischungen aus dem Englischen. Andere Länder mit einer verhältnismäßig großen Zahl deutschsprachiger Bürger sind Kanada (etwa 330 000), Brasilien (550 000) und Argentinien (250 000).