Bengalisch

Bengalisch gehört zu den indischen Sprachen, zu ihnen zählen mehr als 150 Einzelsprachen, die auf dem Indischen Subkontinent gesprochen werden. Die große Mehrzahl der indischen Sprachen gehört als indoarische Sprache zur Untergruppe der indoiranischen Sprachen, einem Zweig der indogermanischen Sprachfamilie, oder zu der nichtindogermanischen dravidischen Sprachfamilie. Eine sehr viel kleinere Gruppe der indischen Sprachen gehört zu der austroasiatischen und sinotibetischen Sprachfamilie. Auf dem Indischen Subkontinent gibt es keine gemeinsame Sprache aller Inder. Hindi und Englisch sind die beiden offiziellen Amtssprachen Indiens, und beide Sprachen sind in den verschiedenen Sprachregionen Indiens verbreitet. Daneben gibt es 15 von der indischen Verfassung anerkannte Staatssprachen, die in Schulen und bei offiziellen Transaktionen gebraucht werden: Assamesisch, Bengali, Gujarati, Kashmiri, Marathi, Oriya, Punjabi, Sindhi, Hindi, Urdu, Sanskrit, Tamil, Telugu, Kannada (oder Kanaresisch) und Malayalam. Die Staatssprache Pakistans ist Urdu; die Staatssprache von Bangladesh ist Bengali. Etwa Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr. zogen die Indoiraner ostwärts, weg von den anderen indogermanischen Völkern, und ließen sich im Iran nieder. Vermutlich um 1000 v. Chr. hatten sich die zwei Sprachzweige, Indisch (auch Indoarisch genannt) und Iranisch, abgespalten. Das Iranische wurde in einer Gegend gesprochen, das ungefähr dem heutigen Iran und Afghanistan entspricht, und das Indische entwickelte sich in Nordwestindien (siehe indoiranische Sprachen). Die Sprecher des Indischen müssen den Sprechern des Dravidischen in Nordindien begegnet sein; die Urvölker mit dravidischen Sprachen wurden zurückgedrängt oder gezwungen, in den Süden auf die Halbinsel zu ziehen, wo sie sich heute befinden. Die Geschichte der indischen Sprachfamilie wird gewöhnlich in drei Hauptperioden eingeteilt: (1) Altindisch; dazu gehört Wedisch und das Klassische Sanskrit; (2) Mittelindisch (ab ca. dem 3. Jahrhundert v. Chr.), das die unter der Sammelbezeichnung “Prakrit” geläufigen Dialekte des Sanskrit umfasst (darunter auch Pali); und (3) Neu- oder modernes Indisch (ab ca. dem 10. Jahrhundert n. Chr.); dazu gehören die modernen Sprachen, die im nördlichen und zentralen Teil des Indischen Subkontinents gesprochen werden. Das wedische Sanskrit (um 1500 v. Chr. bis ca. 200 v. Chr.) ist die älteste Form des Sanskrits und die Sprache, in welcher der Weda, die heiligen Schriften des Hinduismus, abgefasst ist. Eine spätere Ausprägung der Sprache, das klassische Sanskrit (ab ca. 500 v. Chr.), wurde in religiösen, literarischen und theoretischen Schriften verwendet. So sind auch die beiden großen indischen Epen aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr., das Mahabharata und das Ramayana in klassischem Sanskrit verfasst. Als Sprache der Priester und Gelehrten genießt es noch heute weite Verbreitung. Das mittelindische Prakrit existierte in vielen regionalen Varietäten, die schließlich eigene Literaturen entwickelten. Pali, die Sprache der buddhistischen kanonischen Schriften, ist die älteste Literatursprache des Prakrit. Es dient noch in Sri Lanka, Myanmar und Thailand als Liturgiesprache. Die einzelnen Dialekte des Prakrit wurden in der Umgangssprache bis ungefähr zum 12. Jahrhundert n. Chr. gesprochen, aber schon etwa im 10. Jahrhundert begannen sich die modernen indischen Dialekte zu entwickeln. Insgesamt gibt es heute mehr als 400 Millionen Sprecher der indoarischen (indischen) Sprachen. Es ist schwierig, die genaue Zahl dieser Sprachen zu bestimmen. Ungefähr 35 davon sind von Bedeutung, insbesondere Hindi, Urdu, Bengali, Gujarati, Punjabi, Marathi, Bihâri, Oriya und Rajasthani. Jede dieser Einzelsprachen hat mehr als zehn Millionen Sprecher. Obwohl die Sprachen Hindi und Urdu verschiedene Namen tragen, sind es eigentlich nur geringfügig voneinander abweichende Dialekte einer Sprache. Die Hauptunterschiede liegen in der Herkunft ihres Wortschatzes, in den Schriften sowie in den religiösen Traditionen. Der Wortschatz des Hindi wurde im Wesentlichen aus dem Sanskrit übernommen, Urdu hingegen hat viele Wörter persischen und arabischen Ursprungs. Hindi wird in der Devanagari-Schrift geschrieben, Urdu in einer persisch-arabischen Schrift. Die weit größte Sprechergruppe des Hindi sind Hindus; Urdu hingegen wird überwiegend von Muslimen gesprochen – in Indien wie auch in ganz Pakistan. Es gibt zwei Hauptvarietäten des Hindi, die von insgesamt circa 180 Millionen Sprechern benutzt werden. Westhindi, das sich in der Gegend um Delhi entwickelt hat, umfasst die Literatursprachen Hindi und Urdu. Osthindi wird vor allem im mittleren Uttar Pradesh und im östlichen Madhya Pradesh gesprochen; seine wichtigsten Schriften sind im Awadhi-Dialekt abgefasst. (Hindustani ist eine ältere Bezeichnung, die seit der Teilung von 1947 immer seltener verwendet wird. Unter Hindustani versteht man die Mischform des westlichen Hindi-Urdu, die sich in den Lagern und auf den Marktplätzen um Delhi herausgebildet hat. Es war vom 16. bis zum 18. Jahrhundert in ganz Indien verbreitet und diente als Lingua franca unter den verschiedenen Sprachgruppen.) Bengali, das in Westbengalen und von fast der ganzen Bevölkerung von Bangladesh gesprochen wird, hat weltweit die sechsthöchste Sprecherzahl (ca. 120 Millionen). Ebenso wie Hindi stammt auch Bengali vom Sanskrit ab. Es ist die Sprache des Dichters Rabindranath Tagore, der 1913 den Literaturnobelpreis verliehen bekam. Unter den modernen indischen Sprachen weist sie die umfangreichste literarische Produktion auf. Punjabi (auch Panjabi) wird im Punjab, einer Region, die sich über Teile des nordwestlichen Indiens und Ostpakistans erstreckt, gesprochen und war die Sprache der Begründer der Sikh-Religion. Die heiligen Lehren dieser Religion sind schriftlich in Punjabi in der Gurmukhi-Schrift belegt, die von einem Sikh-Guru entwickelt worden ist. In Indien hat Punjabi viele Gemeinsamkeiten mit dem Hindi; im Westen, in Pakistan, weichen die Dialekte des Punjabi stark voneinander ab. Unter dem Begriff Bihâri werden drei miteinander verwandte Sprachen zusammengefasst – Bhojpuri, Maithili und Magahi – die hauptsächlich im Nordosten Indiens in Bihâr gesprochen werden. Trotz der etwa 40 Millionen Sprecher ist Bihâri keine von der Verfassung anerkannte Staatssprache Indiens. Sogar in Bihâr wird im Bildungswesen und in offiziellen Angelegenheiten Hindi gebraucht. Zu den anderen wichtigen indischen Sprachen gehören Singhalesisch, die Staatssprache Sri Lankas, und Romani, die Sprache der Zigeuner, die sich in Indien entwickelt hat und auf der ganzen Welt verbreitet ist. Das Lautinventar und die Grammatik des Romani ist deutlich vom Sanskrit beeinflusst, aus dem sich diese Sprache entwickelt hat. Die meisten Schriften der indischen Sprachen gehen letztlich auf die Brahmi-Schrift zurück, die vom Nordsemitischen abstammt. Devanagari, das sich aus der Brahmi-Schrift entwickelt hat, wird für Nepali, Marathi und Kashmiri (von Hindus) gebraucht, außerdem für Hindi, Sanskrit und die Prakrit-Dialekte. Gujarati, Bengali, Assamesisch und Oriya haben jeweils eigene Schriftsysteme, die auf Devanagari zurückgehen. Eine persisch-arabische Schrift wird für Urdu, Sindhi (das auch in Devanagari geschrieben wird) und Punjabi gebraucht. Es gibt etwa 25 dravidische Sprachen mit insgesamt über 150 Millionen Sprechern, überwiegend aus dem Süden und Osten Indiens. Die vier wichtigsten dravidischen Sprachen sind als offizielle Staatssprachen anerkannt – Tamil in Tamil Nadu, Telugu in Andhra Pradesh, Kannada (Kanarese) in Mysore und Malayalam in Kerala. Sie haben eine lange literarische Tradition und eigene Schriftsysteme. Telugu hat unter den dravidischen Einzelsprachen die größte Sprecherzahl. Tamil hat die umfangreichste Literatur, die, nicht ganz so alt wie früher vermutet, wahrscheinlich auf das 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. zurückgeht. Tamil hat die größte geographische Ausdehnung und wird auch im nordwestlichen Sri Lanka gesprochen. Die anderen dravidischen Sprachen werden von einer kleineren Sprecherzahl gesprochen und sind in der Mehrzahl keine Schriftsprachen. Die dravidischen Sprachen haben viele Wörter aus den indischen Sprachen entlehnt, vor allem aus dem Sanskrit. Umgekehrt haben die indischen Sprachen Laute und grammatische Strukturen des Dravidischen übernommen. Die Munda-Sprachen mit circa zwölf Einzelsprachen werden von ungefähr fünf oder sechs Millionen Menschen in verstreuten Gebieten im Nordosten und in der Mitte Indiens gesprochen. Die wichtigste Munda-Sprache ist Santali, die die größte Sprecherzahl hat und die einzige Munda-Sprache ist, die eine Schrift besitzt. Wie man heute weiß, existierten in Indien die Munda-Sprachen wie auch die dravidischen Sprachen schon vor der indogermanischen Invasion. Linguisten nehmen an, dass die Munda-Sprachen mit den Mon-Khmer-Sprachen des südöstlichen Asiens verwandt sind und zählen diese Sprachzweige zu der austroasiatischen Sprachfamilie. Eine Mon-Khmer-Sprache, Khasi, wird in Indien in der Provinz Assam gesprochen. Eine kleine Anzahl sinotibetischer Sprachen wird auch entlang der Grenzen Indiens, von Tibet bis Myanmar, gesprochen.